Neu im Kino am 13.01.2022 – „SPENCER“

SPENCER - Kristen Stewart @ Pablo Larrain/ DCM

Neu im Kino am 13.01.2022 – „SPENCER“

 

Von Holger Jacobs

Holger Jacobs

13.01.2022

Wertung: 🙂 🙂 🙂 🙂 (vier von fünf)

english text

Drei Tage im Leben der beliebtesten Prinzessin der Geschichte

 

„SPENCER“ von Pablo Larrain („Jackie“) mit Kristen Stewart, Sally Hawkins, Jack Farthing, Timothy Spall, Ryan Wichert, Jack Nielen und Freddie Spy.

Fast jeder aus meiner Generation kann sich noch an den Tag erinnern, an dem Lady Di bei einem tödlichen Autounfall ums Leben kam.
Natürlich hatte dieser Tag nicht die Bedeutung eines 11. Septembers 2001, an den sich auch noch jeder erinnern kann.
Aber das, was sich in der Nacht vom 30. auf den 31. August 1997 in einem Tunnel unter dem Place Alma (mittlerweile in Place Diana umgetauft) in Paris ereignet hatte, war dermaßen emotional bewegend, dass viele, auch völlig unbeteiligte Menschen, Tränen in den Augen hatten.

Diana, Princess of Wales, war im ausgehenden 20. Jahrhundert die meistfotografierte und meistgeliebte Person der gesamten Welt.
Von Buenos Aires bis Sydney, von Alaska bis Indien, jeder kannte ihren Namen und ihr hübsches Gesicht – und ihre leidvolle Liebesgeschichte mit Prinz Charles, dem englischen Thronfolger.

Schon ihre Hochzeit am 29. Juli 1981 war mit ca. 750 Millionen Zuschauern eines der meistgesehenen TV-Übertragungen der damaligen Zeit, ihren späteren Trauerzug durch London am 6. September 1997 verfolgten sogar 2,5 Milliarden Menschen weltweit.

Diana, Princess of Wales, 1997 cc John Mathew Smith

Lady Diana Spencer war am 1. Juli 1961 im Park House auf dem königlichen Gut Sandringham (in dessen Schloss auch die Geschichte des Films spielt) als jüngste Tochter von Earl John Spencer zur Welt gekommen und gehörte damit zu einer der ältesten Familien Englands. Sie galt später als nur wenig intelligent und brach die Schule mit 16 ab. Dafür war sie extrem sportlich und bei allen sehr beliebt.
Die Empathie für andere wurde ihr mit viel Sympathie vielfältig zurückgegeben.

Als sie 1977 Prinz Charles traf, hatte dieser sich schon vier Jahre zuvor in Camilla Parker Bowles (damals noch Camilla Shand) verliebt, wurde aber von seiner königlichen Familie zu einer Verbindung mit Diana gedrängt, da diese eben zu einer der ältesten Familien Englands zählte.
Diana wiederum schien sich wirklich in den 13 Jahre älteren Mann verliebt zu haben, so bescheinigen es zumindest bis heute die Vertrauten der Prinzessin.

Doch das Liebesglück zerbrach schnell, als Diana merkte, dass Charles eine andere liebte und sie völlig hilflos in der Luft hing.
Zumal der gesamte Hofstaat bis in den kleinsten Winkel und bis in die letzte Minute des Tages durchorganisiert ist und jeden Gedanken auf Freiheit und Selbstbestimmung abschnürt, wie das Seil am Hals eines Gehängten…
Wobei nun auch die Aussagen von Prinz Harry und seiner Frau Meghan über die Royal Family im Interview mit Oprah Winfrey vor einem Jahr auf einmal sehr plausibel klingen.

„SPENCER“, ein Photo während der Produktion mit Kristen Stewart und Pablo Larrain © DCM

Der Film

„SPENCER“, der Film des chilenischen Regisseurs Pablo Larrain, der wenige Jahre zuvor schon mit dem Film „Jackie“ über die Gattin des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy einen bemerkenswerten Film gedreht hatte, zeigt von Lady Diana nur genau drei Tage im Winter des Jahres 1991 und damit die letzten gemeinsamen Weihnachtstage, die das Ehepaar miteinander auf Schloss Sandringham (im Film Schloss Nordkirchen in der Nähe von Münster) verbringen sollte.
Denn bereits ein halbes Jahr später trennte sich das Paar inoffiziell und am 9. Dezember 1991 verkündete der damalige Premierminister John Major im britischen Unterhaus offiziell die Trennung von Diana und Charles – die Sache hatte politische Ausmaße angenommen.

Diese Komprimierung der Leidensgeschichte der Prinzessin der Herzen, wie sie damals allgemein genannt wurde, auf nur wenige Tage, ist ein geschickter dramaturgischer Einfall, weil allein die Geschehnisse dieser Weihnachtstage 1991 alle Gründe offenbaren, die zur späteren Trennung führten.

Gleich zu Beginn zeigt der Film eine geniale Einstellung:
Lady Di kommt mit einem schicken Porsche Cabrio allein zur Weihnachtsfeier (ohne Bodygard, Security oder sonst irgendwem), wie immer zu spät, und muss am Straßenrand in einer Kneipe nach dem richtigen Weg fragen. Das unmittelbare Verstummen des gesamten Lokals ist signifikant, und zeigt ebenfalls die unbekümmerte, ganz natürliche Seite der Prinzessin.
Und ihre wehenden, blonden Haare im Fahrtwind des Porsche sind einfach nur cool!

Der Schock bei Ankunft im Schloss, wo natürlich alles und alle schon auf sie warten, ist brutal:
Der Butler Gregory (Timothy Spall) starrt sie mit eiskalten Augen an und gibt ihr deutlich sein Missfallen zu verstehen (später wird er ihr die Biografie von Anne Boleyn, der Ehefrau von Heinrich des VIII., die später wegen Hochverrats geköpft wurde, heimlich in ihr Schlafzimmer legen).

Eisiges Schweigen auch bei Tisch mit den anderen Familienmitgliedern. Gesprochen wird nur, wenn es unbedingt sein muss oder Banalitäten ausgetauscht werden müssen. Nach jedem Essen ist Dianas erster Gang zur Toilette, um alles wieder heraus zu würgen.

Einzig zu ihren beiden Söhnen hat sie ein inniges Verhältnis, die aber ihre Mutter wohl nicht so ganz verstehen können. Und auch die Angestellte Maggie (Sally Hawkins) hat sie in ihr Herz geschlossen, sieht sie in ihr doch eine Normalität, nach der sie sich so oft sehnt.

„SPENCER“, Make-Up vor dem Dreh mit Kristen Stewart © Pablo Larrain/ DCM

Kritik

Der Film „SPENCER“ ist ganz auf die Schauspielerin Kristen Stewart ausgerichtet. Kaum eine Sekunde des Films vergeht, wo sie nicht im Bild ist. Während viele von uns die US-Amerikanerin noch aus der Teenager-Serie „Twilight“ aus den 2000er Jahren kennen, ist die mittlerweile 31-jährige Darstellerin sichtlich gereift und spielt Lady Di mit einer Oscar-reifen Leistung.
Wobei sicher so manch jüngerer Kinobesucher sich wundert, warum sie im Film immer etwas verkrampft, den Kopf leicht angewinkelt, herumläuft?
Aber jeder, der die echte Diana noch erlebt hat, weiß, dass sie genau diese Haltung an sich hatte – eine besondere Art der Schüchternheit und des sich Zurücknehmens.

Für den Regisseur Pablo Larrain und Kristen Stewart ergaben sich nun zwei Optionen:
Entweder spielt die Schauspielerin die echte Lady Di so wahrheitsgetreu wie nur möglich, oder Kristen Stewart spielt einfach Kristen Stewart in der Rolle der Princess of Wales, was übrigens die meisten Hollywood-Schauspieler machen:
Ein Bruce Willis ist immer ein Bruce Willis und ein Al Pacino ist immer ein Al Pacino – und so weiter.

Doch Pablo Larrain und Kristen Stewart entschieden sich für die erste und deutlich risikoreichere Variante. Denn jemanden anderen, als man selbst zu spielen, kann gewaltig daneben gehen und ein Desaster werden.

Doch Kristen Stewart schafft den Spagat vom taffen Millennial-Girl der Generation Y zur schüchternen, aber liebevollen Ehefrau eines eiskalten Royals.

Fazit: Sehenswert

Bilderserie mit 19 Fotos der Produktion:

Lady Diana (Kristen Stewart), „SPENCER“ © Pablo Larrain /DCM

 

English text

 

New movie in the cinema on Jan. 13, 2022 – „SPENCER“

 

By Holger Jacobs

Holger Jacobs
13.01.2022

Rating: 🙂 🙂 🙂 🙂 (four of five)

Three days in the life of the most popular princess in history

„SPENCER“ by Pablo Larrain („Jackie“) with Kristen Stewart, Sally Hawkins, Jack Farthing, Timothy Spall, Ryan Wichert, Jack Nielen and Freddie Spy.
Almost everyone from my generation can still remember the day Lady Di died in a fatal car accident.
Of course, that day did not have the significance of September 11, 2001, which everyone also still remembers.
But what had happened in a tunnel under the Place Alma in Paris on the night of August 30-31, 1997, was so emotionally moving that many people, even completely uninvolved, had tears in their eyes.
Diana, Princess of Wales, was the most photographed and most loved public person in the entire world in the late 20th century. 
From Buenos Aires to Sydney, from Alaska to India, everyone knew her name and her pretty face – and her troubled love story with Prince Charles, heir to the English throne.
Even her wedding on July 29, 1981, was one of the most-watched TV broadcasts of the time, with about 750 million viewers, and her later funeral procession through London on September 6, 1997, was watched by as many as 2.5 billion people worldwide.

Diana, Princess of Wales, 1997 cc John Mathew Smith

Lady Diana Spencer was born on July 1, 1961, on the royal estate of Sandringham (in whose castle the story of the film is set) as the youngest daughter of Earl John Spencer and thus belonged to one of the oldest families in England. She was later considered to have little intelligence and dropped out of school at 16. On the other hand, she was extremely athletic and was very popular with everyone.
Empathy for others was returned to her in many ways with much sympathy until her death.

When she met Prince Charles in 1977, he had already fallen in love with Camilla Parker Bowles (then still Camilla Shand) four years earlier, but was urged by his royal family to marry Diana, as she belonged to one of the oldest families in England.
Diana, on the other hand, seemed to have really fallen in love with the 13-year older man, at least according to the princess’s confidants to this day.
But the happiness of love quickly shattered when Diana realized that Charles loved someone else and that she was completely helpless in that situation, surrounded only by heartless tradition. The entire court is organized down to the smallest corner and to the last minute of the day, cutting off any thoughts of freedom and self-determination what remains to a rope on the neck of a hanged man…
Whereby now also the statements of Prince Harry and his wife Meghan about the Royal Family in the interview with Oprah Winfrey a year ago suddenly sound very plausible.

„SPENCER“, ein Photo der Produktion mit Kristen Stewart und Pablo Larrain © DCM

The movie

„SPENCER“, the film of the Chilean director Pablo Larrain, who had already made a remarkable film a few years earlier with the film „Jackie“ about the wife of the American President John F. Kennedy, shows of Lady Diana only exactly three days in the winter of the year 1991 and thus the last Christmas days that the couple should spend together.
For just six months later, the couple separated unofficially, and on December 9, 1991, the then Prime Minister John Major officially announced the separation of Diana and Charles in the British House of Commons – the matter had taken on political proportions.
This compression of the tale of woe of the Princess of Hearts, into just a few days, as she was commonly called at the time, is a clever dramaturgical conceit, because the events of those Christmas days 1991 alone reveal all the reasons leading to the subsequent separation.
Right at the beginning, the film shows an ingenious shot:
Lady Di arrives alone at the Christmas party in a fancy Porsche, late as usual, and has to ask for the right way at a roadside pub. The immediate silencing of the entire pub is significant, and also shows the carefree side of the princess.
And her blowing blonde hair in the driving wind of the Porsche convertible is just cool!
The shock on arrival at the castle, where of course everyone is already waiting for her, is brutal:
the butler Gregory (Timothy Spall) stares at her with iciness and unmistakably makes his displeasure known. Later, he will secretly place in her bedroom the biography of Anne Boleyn, the wife of Henry the VIII, who was later beheaded for treason.
Icy silence also at the table with the other family members, they only speak when it is absolutely necessary or banalities are exchanged. After every meal, Diana’s first trip is to the toilet to spit everything out again.
She only has an intimate relationship with her two sons, but they can’t quite understand their mother. She has also taken the employee Maggie (Sally Hawkins) to her heart, seeing in her the normality she so longs for.

„SPENCER“, Make-Up vor dem Dreh mit Kristen Stewart © Pablo Larrain/ DCM

Critics

The film „SPENCER“ is completely focused on the actress Kristen Stewart.
Hardly a second of the film passes where she is not in the picture. While many of us still know the US-American from the teen series „Twilight“ from the 2000s, the now 31-year-old actress has visibly matured and plays Lady Di with an Oscar-worthy performance.
Although some younger moviegoers may wonder why she always walks around a bit tense in the film, with her head slightly bent?
But anyone who has experienced the real Diana knows that she had exactly this attitude – an expression of shyness and restraint.

For director Pablo Larrain and Kristen Stewart, there were two options:
Either the actress plays the real Lady Di as truthfully as possible, or Kristen Stewart simply plays Kristen Stewart in the role of the Princess of Wales, which, by the way, is what most Hollywood actors do:
A Bruce Willis is always Bruce Willis and an Al Pacino is always Al Pacino – and so on.
But Pablo Larrain and Kristen Stewart opted for the first and clearly riskier option. Playing someone other than yourself (especially a worldwide wellknown person) can you bring to a huge disaster.
But Kristen Stewart manages the balancing act from the tough Millennial girl of her Generation Y to the shy but loving wife of an ice-cold royal.
Conclusion: Worth seeing

Lady Diana (Kristen Stewart), „SPENCER“ © Pablo Larrain /DCM

 

 

Holger Jacobs

Author: Holger Jacobs

Founder & Editorial Director of kultur24.berlin ug.
Founder & Editorial Director of kultur24 TV on Youtube.
Former correspondent for fashion in Paris.
Photographer, writer and filmmaker.

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